Woltersdorf braucht eine Sport- und Mehrzweckhalle!
Von Dr. Matthias Schultz, Vorsitzender der CDU/FDP-Fraktion

Warum der Sporthallen-Neubau?


Die Woltersdorfer Bürger haben den Gemeindevertretern im Zuge der Schließung der staatlichen Oberschule das Versprechen abgenommen, den Bildungsstandort Woltersdorf für Kinder allen Alters zu bewahren und zu stärken. Hierzu gehört auch die Schaffung von Sportstätten, um der gesetzlichen Verpflichtung des Landes Brandenburg Genüge zu tun, für alle Schüler 3 Wochenstunden Sport anzubieten.

Warum eine 2-Felder-Halle und warum dieser Zeitdruck?
Bereits heute nutzt die Grundschule die Sporthalle mit 6 Jahrgängen zu 3 Klassen. Daneben benötigen die FAW mit 2 Jahrgängen zu 2 Klassen und die Klassen der Freie Schule Hallenkapazitäten. Somit lässt sich bereits heute ein Bedarf von 69 Wochenstunden Sport errechnen, also knapp 14(!) Stunden Hallennutzung pro Schultag – die natürlich nicht zur Verfügung stehen! Die Grundschule löst das Problem heute so, indem jeweils 2 Klassen, also ca. 50 Kinder, gleichzeitig in die Sporthalle gehen, indem bei geeigneten Wetterverhältnissen der Sportplatz mit genutzt wird und indem der Sportunterricht an Randstunden erteilt wird. Kitas und Hort bleiben momentan leider weitgehend außen vor. Arbeitsgemeinschaften und Ganztagsangebote sind nahezu ausgeschlossen. 
Jedes neue Schuljahr mit einer weiteren Einschulung der FAW  gGmbH verschärft das Problem. Ab dem  Schuljahresbeginn 2013 kann selbst ein Ausweichen und doppelt belegen der Halle das Problem nicht mehr umgehen und Woltersdorf muss zusätzliche Hallenkapazitäten bereitstellen.
Bei Vollbetrieb aller Schulen (Grundschule 1-6 je 3 Klassen, FAW 7-10 je 2-3 Klassen bzw. 11-13 mit 1-2 Klasse, Freie Schule 1-6) ergibt sich rechnerisch ein Hallenbedarf für 3 Hallenfelder mit je etwa  7 Stunden Auslastung pro Schultag. Also muss zusätzlich zur bestehenden Halle eine 2-Felder-Halle gebaut werden und diese ist in keinem Fall für die Nutzung durch den Schulsport überdimensioniert!
Durch kluge Nutzungsplanung der Schulleitungen und regelmäßige Absprachen der Schulleitungen mit den Kita- und Hortleitungen ist es dann sicher auch möglich, feste Hallenzeiten für Kitas und Hort zu vereinbaren.

Warum kann der Sportunterricht nicht viel mehr in den Sportpark verlegt werden?
Schon jetzt findet in den Sommermonaten viel Schulsport im Sportpark Fuchsberge statt. Allerdings muss für den Fall von Kälte und Regenwetter immer auch die Halle frei sein, wenn der Unterricht nicht ausfallen soll. 
Spätestens seit „Pisa“ und der breiten Diskussion über attraktive und kindgerechte  Lernbedingungen in Deutschland ist allen klar, dass der Schulsport einen wesentlichen Beitrag zum Ausgleich der geistigen Anstrengung im Klassenzimmer bildet. Somit ist es kontraproduktiv, zusätzliche Sportstunden in den Sommer (im Freien) zu verlegen und diese dann im Winter (an Hallenzeiten) „einzusparen“.

Können Hallenkapazitäten in Nachbarorten genutzt werden?
Es ist sicher attraktiv, für ein großes Sportereignis (Schulturnier etc.) die große Halle in Erkner zu nutzen.
Aber zum einen hat keine der umliegenden Kommunen permanent Hallenkapazitäten im Volumen zweier  Hallen frei, zum anderen würden Hallenmieten und Fahrtkosten (ein Schulbus mit Sitzplätzen für 2 Schulklassen müsste schulstündlich pendeln!)auf Dauer für Woltersdorf so teuer werden, dass langfristig der Bau einer eigenen Halle (neben dem zusätzlichen Schwung für das Woltersdorfer Vereinsleben) kostenbewusster ist.
Weiterhin würden die Fahrtzeiten den Schultag verlängern und Pausenzeiten abschneiden, was wohl niemand den Schülern auf Dauer zumuten möchte. Auch die Stundenplangestaltung würde deutlich komplizierter, da Lehrer für Sport in der Regel noch weitere Fächer unterrichten.

Ist die Halle überdimensioniert und zu teuer?
Wie bereits oben ausgeführt, ist eine 2-Felder-Halle für den Schulsportbedarf in Woltersdorf heute und in Zukunft in keinem Fall überdimensioniert.
Zu den Kosten: wer einmal einen Architekten weinen sehen möchte, der komme zu Projektvorstellungen in die Fachausschüsse! Eine erste Schätzung des Architekten (basierend auf Richtwerten für den umbauten Raum) lag bei ca. 3 Mio. Euro. Die Gemeindevertreter haben geantwortet, dass nur 2,5 Mio. darstellbar sind und er bitte „zaubern“ möchte. Und genauso ein „zauberhafter“ und kostenbewusster Entwurf ist dabei heraus gekommen. 
Angedacht ist die Halle als Ballsport- und Mehrzweckhalle. So hoffen wir, weitere Ausstattungskosten für teure Turngeräte (die in der alten Halle ja bereits vorhanden sind) anteilig zu sparen. 
Weiterhin soll der Hallenboden straßenschuhtauglich sein (oder abgedeckt werden können), sodass auch Feiern (z.B. Karneval, Familienfeste, …) oder größere Vortragsveranstaltungen oder Konzerte durchgeführt werden können. Dies schafft weitere Einnahmen zur Deckung der Betriebs- und Instandhaltungskosten und stellt einen wichtigen Beitrag für ein vielfältiges Vereinsleben in Woltersdorf dar.

Wer zahlt für die Halle?
Die Sporthalle wird durch die Gemeinde Woltersdorf gebaut und finanziert. Neben den Baukosten ist der Betrieb der Halle zu finanzieren (Energie, Wasser, Reinigung, Reparaturen, …) sowie Abschreibungen in der Form zu erwirtschaften, dass nach Ende der vom Gesetzgeber angesetzten mittleren Nutzungsdauer (ca. 70 Jahre) Geld für Ersatzinvestitionen bzw. kontinuierliche Werterhaltungsmaßnahmen bereitsteht.
Als Schulträger der staatlichen Grundschule stellt die Kommune der Grundschule die erforderlichen Hallenkapazitäten kostenfrei zur Verfügung (d.h. die Nutzungsgebühr wird aus kommunalen Mitteln aufgebracht). 
Die FAW und Freie Schule zahlen für die Hallennutzung eine Nutzungsgebühr (die im Schulgeld enthalten ist). Diese Gebühr wird so berechnet, dass sie marktüblichen Preisen entspricht (es wird nichts unter Wert abgegeben), aber auch (im Gegensatz zur Diskussion in Nachbargemeinden) nicht zur Refinanzierung der Baukosten dienen muss. Wir wollen Woltersdorf als Bildungs- und damit hochwertigen Wohnstandort sichern und betrachten den Hallenbau als strategische Investition.
Sportvereine und andere Nutzer zahlen ebenfalls die Nutzungsgebühr. Diese wird zum Teil wiederum durch die Kommune bezuschusst. Hierbei ist die Balance zu finden zwischen einer Entlastung der laufenden Kosten für die Halle und der sozialen Attraktivität der Vereine und ihrer Angebote. Dazu berät parallel der Sozialausschuss der Gemeindevertretung; es ist geplant, pünktlich zur Fertigstellung der Halle eine transparente und objektive Richtlinie zur Vereinsförderung vorliegen zu haben.

Warum finanziert die FAW nicht die Halle?
Public-Private-Partnership (PPP) ist zunächst ein attraktiver Ansatz zur Finanzierung großer öffentlicher Projekte. Allerdings ist bei nicht-kommerzieller Nutzung der Objekte mittel- und langfristig für die öffentliche Hand kein finanzieller Vorteil errechenbar. Zusätzliche Kosten für Zinsen und ggf. Ausfallversicherungen erhöhen die Kosten weiter und unnötig, da das Geld für den Bau in Woltersdorf ja bei Haushaltsdisziplin und mit Wissen, dass dieses Projekt auch zur wesentlich Erhöhung der Wohnqualität im Port beiträgt, vorhanden bzw. darstellbar ist. 
Die Eskapaden an den Finanzmärkten der vergangenen Jahre, die zur Finanzkrise geführt haben, haben weiterhin gelehrt, wie schnell im Zuge verkaufter Kredite und unfreiwilliger Firmenbeteiligungen plötzlich Investoren und Firmen mit am Tisch sitzen und Ziele und Inhalte vorgeben, die neben Profit weder die Bildung der Kinder noch die Entwicklung von Woltersdorf als Ganzem im Sinn haben. 
Der Bau der Sporthalle ist also kein „schweres Erbe“, sondern ein kommunaler Kraftakt, bei dem am Ende alle profitieren und deren Verwirklichung und Nutzung in kommunaler Hand bleiben muss!

Welchen Nutzen bietet die Halle für die Woltersdorfer Bürger außerhalb der Schulstunden?
Für die Sporthalle in der Vogelsdorfer Straße gibt es auch außerhalb der Schulstunden mehr Nachfrage nach Hallenzeiten als Zeiten verfügbar sind. Selbst sonntags morgens, wenn der halbe Ort noch schläft oder frühstückt, ist in der Halle schon Betrieb. Abends wird die Halle aus Rücksicht auf die Nachbarn und die Nachtruhe geschlossen – Interesse an Hallennutzung wäre auch noch zu diesen Zeiten. 
Der Sportverein SV1919 Woltersdorf e.V. hat signalisiert, dass er Angebote ausweiten (z.B. Basketball, Tischtennis) und zusätzliche Angebote (z.B. Frauenfußball) sofort umsetzen kann, wenn zusätzliche Hallenkapazitäten zur Verfügung stehen. Dadurch wächst die Mitgliederzahl im Verein, wird das Angebot im Vereinssport attraktiver und es wird das Freizeitangebot für Woltersdorfer jeden Alters sinnvoll ergänzt. Auch Interesse an Hallenzeiten wird von Vereinen aus Nachbargemeinden immer wieder signalisiert.
Für sportliche Aktivitäten (Angebote Senioren- und Rehasport werden stark zunehmend genutzt!) ist also ausreichend Nachfrage vorhanden. Dies stärkt das Zusammenleben und Miteinander im Ort, neue Freundschaften bilden sich und neue Ideen für den Ort können entstehen und sich entwickeln.
Hinzu kommt, dass Woltersdorf keinen großen Veranstaltungsraum hat. Der Speisesaal der kommunalen Küche ist seit dem Sommer Geschichte und konnte auch nicht allen Interessen gerecht werden. 
Somit bietet die Halle als Mehrzweckhalle neben dem Sport auch die Möglichkeit für Veranstaltungen mit mehreren Hundert Gästen, Tanzveranstaltungen etc.. 
Die Vielfalt der Angebote im Ort kann wachsen, aus gemeinsamen sportlichen Aktivitäten wachsen Freundschaften und die Identifikation mit dem Ort steigt. Was für ein schöner und gewollter Effekt einer bildungspolitischen Investition!